Handel im Wandel

Die Pandemie wirkt in vielen Bereichen extrem beschleunigend auf Entwicklungen, deren Beginn schon länger zurückliegt. Eine davon: Das Verhältnis zwischen stationärem und Online-Handel, dass sich immer weiter verschiebt. Für Einzelhändler keine so schlechte Nachricht, wie es auf den ersten Blick scheint.

Eine Frau mit Maske hinter einer Glasscheibe dreht das "Geöffnet"-Schild ihres Ladens um. Auf der Rückseite steht "Besuchen Sie unseren Online-Store"

Die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) im stationären Handel schlagen Alarm: Der nochmals verlängerte Lockdown in Deutschland gefährde in den drei Branchen 33.000 Unternehmen mit fast 80.000 Läden und fast einer halben Million Beschäftigten1 und drohe somit, das Gesicht der Innenstädte unwiederbringlich zu verändern. Akute Probleme sind unverkaufte Warenbestände in den (geschlossenen) Geschäften, fehlende staatliche Corona-Hilfen und die Ungewissheit, für welchen Zeitraum die Händler überhaupt wieder wirtschaftlich sinnvoll neue Ware ordern sollen.

Gekriselt hat es dabei hier und da schon länger, besonders in vielen kleineren Städten. Immer höhere Mieten und immer weniger Laufkundschaft sowie lange Vorlaufzeiten bei der Warenbestellung machen vor allem Modeverkäufern das Leben schwer. Branchenübergreifend leiden stationäre Fachhändler und -dienstleister teilweise auch immer noch unter sogenanntem „Beratungsdiebstahl“, also Verbrauchern, die sich bei ihnen beraten lassen, Produkte oder Leistungen dann aber möglichst billig online beziehen.

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Auf der vermeintlich anderen Seite steht der klare Krisengewinner, vor allem im Weihnachtsgeschäft: der Onlinehandel. Nach Angaben des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) Deutschland lagen die Online-Umsätze im vierten Quartal um fast 24 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit hat sich die Wachstumsrate im E-Commerce im Vergleich zum Weihnachtsquartal 2019 mehr als verdoppelt.

„Der Onlinehandel“ sind aber längst nicht mehr nur originäre Pure-Player wie Amazon und Co: Der bevh weist im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf ein bemerkenswertes Wachstum bei Herstellern hin, die online direkt an Kundinnen und Kunden verkauften, anstatt über die eigenen Stores oder andere Händler. Allein im Bekleidungssektor entfielen auf sie immerhin 336 Mio. der bis Ende November 2020 verzeichneten Umsätze von
3.542 Mio. EUR. Trotz des relativ kleinen Anteils am Gesamtumsatz bedeutet das für diesen Versendertypus ein Plus von 31,6 Prozent.2 Der aus dem Filialgeschäft stammende schwedische Konzern H&M holte sich schon im Vorkrisenjahr 2019 den (inoffiziellen) Titel des zweitumsatzstärksten Online-Modehändlers.

 

Ein nahtloser Übergang zwischen Online- und Filialhandel – darin sehen Experten den Weg in eine sichere Zukunft für den Handel.
Ein nahtloser Übergang zwischen Online- und Filialhandel – darin sehen Experten den Weg in eine sichere Zukunft für den Handel.

Unerwartete Wege aus der Krise

 

Zusätzlich wandeln sich immer mehr große Online-Shops vom echten Händler zur Plattform für Drittanbieter – also zur virtuellen Shopping Mall. Großes Beispiel im Modebereich: Zalando. Mit „Connected Retail“ können andere Händler ihre Waren über Zalando anbieten. Zielgruppe ist in erster Linie der niedergelassene Handel ohne eigenen Onlineshop. Zalando stellt die Shopstruktur, das Marketing, den Kundenservice und die Zahlungsabwicklung. Logistik und Versandabwicklung sind Aufgabe der jeweiligen Anbieter. Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand: Ein neuer, ortsungebundener Vertriebsweg für die Händler, mehr Auswahl für die Verbraucher und höhere Angebotsattraktivität bei niedrigerer Kapitalbindung für den Plattform-Betreiber.

 

Auch wenn einige Händler sich nicht gern in die Hände eines bisherigen Konkurrenten begeben – für viele ist es in der Corona-Pandemie der Rettungsanker für ihr Geschäft. Dr. Carsten Keller, VP Direct to Consumer bei Zalando, bezeichnet das Modell im Interview mit dem Fachportal „Fashion United“ als „Brücke zwischen Offline und Online“ mit der realistischen Chance, von Gegnern zu Partnern zu werden.3 Und auch zahlreiche weitere Experten sehen in durchdachten Omnichannel-Lösungen die Zukunft des (Einzel-)Handels.

 


[1]  https://www.bte.de/2021/01/20/bte-bdse-und-ble-starten-kampagne-rettet-meinen-arbeitsplatz/, aufgerufen am 24.1.21

[2]  https://www.bevh.org/presse/pressemitteilungen/details/175-prozent-umsatzsteigerung-weihnachtsgeschaeft-im-onlinehandel-deutlich-ueber-vorjahr.html, aufgerufen am 24.1.21

[3]  https://fashionunited.de/nachrichten/business/connected-retail-die-bruecke-zwischen-offline-und-online/2020112338103, aufgerufen am 25.1.21.

Online-Startschuss leicht gemacht

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